Visionssuche

Eine Visionssuche ist eine Zeremonie, ein Übergangsritual, wie es in naturverbundenen Kulturen überall auf der Welt gefeiert wurde, um Lebensübergänge ganz bewusst zu spüren, zu durchleben und zu bestätigen. Sie unterstützt uns dabei, in Zeiten von Veränderungen, eine alte Geschichte hinter uns zu lassen, unseren ganz eigenen Weg zu finden, und in unsere neue Geschichte hinein zu wachsen.

Immer wieder gibt in unserem Leben Momente, in denen wir das Gefühl haben, unser jetziges Leben ist zu klein für uns geworden. Eine Sehnsucht packt uns. Wir wollen ausbrechen; aus der Schublade, in die wir sowieso nie passten.
Manchmal auch sind Ereignisse und Veränderungen so tief gehend, dass wir sie nicht einfach vorbei gehen lassen können, dass wir sie -ohne sie auf eine gebührende Weise zu ehren oder zu markieren- nicht in unserem Leben integrieren können. Einen geliebten Menschen verlieren, in Rente gehen, eine plötzliche Erkrankung, eine Kündigung, eine neue Beziehung; aber auch die Übergänge, durch welche jeder Mensch natürlicherweise gehen muss, wie die Pubertät, Erwachsen werden oder der Eintritt ins Alter.

Nicht selten, wenn eine große Veränderung ansteht oder sich unwillkürlich aufzwingt, ziehen wir bewusst oder unbewusst Bilanz. Oft drängt sich dann die Frage auf “Ist es das jetzt? Mein Leben?” Irgend etwas fühlt sich nicht ganz ‘richtig’ an. Wenn wir mutig genug sind, diesen Moment aus zu halten, ja sogar damit zu sitzen und uns dem zu stellen, kommen die lebenswichtigen Fragen wieder hoch:

Wer bin ich wirklich? Was ist meine Aufgabe?
Und wo soll ich hin mit meinem Leben?

Oft wissen wir nicht so recht wohin mit diesen Fragen. Denn wohin kann ich gehen, wenn ich nicht weiß, in welche Richtung mein Leben gehen soll oder wer ich gerade bin; wenn mein altes Leben nicht mehr passt, aber ich das Neue noch nicht gefunden habe? Wem kann ich meine Fragen stellen? Und wer gibt mir antworten?

Eine Visionssuche erlaubt uns mit diesen Fragen alleine und ohne Ablenkung in die Wildnis zu ziehen und sie der Natur zu stellen. In der äußeren Natur kommen wir unserer inneren Natur auf die Spur. Es geht nicht darum, sich seine eigene rationelle Antwort zurecht zu legen, sondern vielmehr darum, abzugeben und mutig hinzuhören. Denn wer glaubt, die Natur hat keine Sprache, der hat sie einfach noch nicht hören, verstehen und sprechen gelernt.
Es ist die Zeremonie eines psychologisches Sterbens damit Neues geboren werden kann. 

Ablauf einer Visionssuche

Unsere Visionsuche findet in der Tradition der School of Lost Borders statt. Wir sind selbst umfassend bei der School of Lost Borders in Big Pine – Kalifornien ausgebildet.

Der Ablauf einer Visionssuche orientiert sich an einem Muster, welches wir überall auf der Welt wiederfinden, nicht nur in Mythen und Erzählungen, sondern im Leben jedes Menschen. In ihrer Essenz ist eine Visionssuche ein Abbild unserer Lebensreise, in der es nicht nur Sonnenschein gibt, sondern in der wir ebenso durch tiefe dunkle Täler gehen müssen und uns immer wieder selbst überwinden damit wir weiter reisen können , in der wir auch Zeiten der Einsamkeit brauchen, um Klarheit zu gewinnen. Joseph Campbell nannte es auch die “Heldenreise”.

„Wenn wir die Geschichte unseres Lebens nicht in der Sprache der Rationalität,
sondern in der Sprache des Herzens schreiben, wird unser Leben zum lebendigen Mythos und wir selbst werden zum Helden unserer Lebensreise!“

Bei einer Visionssuche lassen wir die gewohnte Welt hinter uns und wagen uns in das Unbekannte. Ganz allein, ohne Essen, und mit nur dem Nötigsten an Ausrüstung. Und genau so wie in Erzählungen treffen wir dabei nicht selten unsere eigenen „Monster“. Der Drache, der uns schon Jahre verfolgt und Sätze ausspuckt wie  „Ich bin nicht gut genug“, „Du kannst das nicht“ oder „Ich bin es nicht wert“.  Aber Wegrennen macht kein Sinn mehr. Es ist Zeit, uns dem Drachen zu stellen, so dass wir den goldenen Schatz der Dunkelheit bergen können und als Geschenk für unsere Gemeinschaft mitbringen können. Als Held/in unseres eigenen Lebens scheuen wir keine Veränderung, sondern wissen, dass wir nur durch Veränderungen wachsen und unserem Herz folgen können!

Leben heißt wachsen. Aber richtig erwachsen können wir nur werden, wenn wir mutig genug sind, immer wieder hinzuschauen und zu sagen: „Das bin ich nicht mehr. Ich möchte loslassen. Ich möchte werden, wer ich wirklich bin.”

„Sometimes it takes darkness 
and the sweet confinement of your aloneness 
to learn 
anything or anyone that does not bring you alive
is too small for you.” 
David Whyte

4 Tage Vorbereitung: Loslassen

Vier Tage lang bereiten wir uns auf unsere Solozeit draußen vor. In einer kleinen Gruppe beschäftigen wir uns nicht nur mit der körperlichen Ebene des Fastens und des Alleine draußen seins, sondern stellen uns auch mit Herz und Seele auf die Zeit ein und finden ganz genau heraus, warum wir hinausgehen. Wir vertiefen uns in die vier Schilde der menschlichen Natur und lernen, wie wir in den Spiegel der Natur schauen können.

Es gibt viele Gründe, eine Visionssuche zu unternehmen, aber der Hauptgrund ist das Markieren oder Bestätigen eines Übergangs oder eines wichtigen Ereignisses. Es hat sich gezeigt, dass wenn wir dies tun, wir diese Ereignisse besser in unserem Lebenslauf integrieren und daraus wachsen können. Bevor wir hinausgehen, schauen wir ganz genau hin, was unsere Absicht ist und was wir markieren oder bestätigen wollen.

  • Wollen wir etwas loslassen? Etwas hinter uns lassen? Wollen wir eine Trennung bekräftigen?
  • Wollen wir eine Übergangszeit bestätigen? Eine Zeit von Veränderung? Eine Transformation? Eine Zeit von Erneuerung? Zwischen Alt und Neu?
  • Oder wollen wir eine Integration, einen Beginn markieren? Der Anfang einer neuen Lebensphase? Neue Aufgaben? Ein neues Ich?

4 Tage alleine draußen fasten: Ein Übergang zwischen Alt und Neu.

Wir lassen den Alltag hinter uns, treten über die Schwelle und verbringen 4 Tage ganz allein draußen mit uns selbst, mit unseren lebenswichtigen Fragen, vielleicht auch einfach nur mit unserer Stille als Gebet, mit unserem Zuhören, mit den Tieren ,die uns besuchen kommen, mit dem Wind, der Sonne und dem Regen. Diese Zeit nennen wir auch die „Schwellenzeit“ oder „Zwischenzeit“. Unsere alte Geschichte geht zu Ende doch unsere neue hat noch nicht wirklich begonnen.

I picked up my broken heart 
my scared mind 
my shaking bones 
and my asking soul 

Together with four bottles of water I carried them on my back 
to the place where I would sit for four nights and days 

I asked the sun 
and I asked the darkness of the night
I asked the moon 
and I asked the heath of the day
I even asked the fox
who came by to maybe just say a shy hello 

Who am I now 
and where do I go from here? 

And then when the sun set for the last time  
it was the wind that sang in the tree 
and whispered into my silence:

You are all you ever dreamt of. 
Now go and be it.

Vier Tage Integration: Rückkehr und Verwirklichung

Nachdem wir vier Nächte und Tage draußen alleine gefastet haben, kehren wir von unserer Solozeit zu unserem Kreis zurück. Du wirst mit allem, was du erlebt hast, nicht allein gelassen, denn in den nächsten vier Tagen sitzen wir zusammen und erzählen und hören unsere Geschichten. Dabei hören wir nicht nur zu, sondern helfen dir auch, deine Geschichte zu verstehen, und ermutigen dich, deine Vision zu verwirklichen und in die Tat umzusetzen. Für viele Teilnehmer ist diese Integrationsphase (die letztendlich ein ganzes Jahr dauern wird) die schwierigste Phase. Deshalb bereiten wir uns gemeinsam darauf vor, zurück zu kehren zu unseren Menschen zu Hause, mit unserer neuen Geschichte, mit neuen Einsichten und mit neuem Verständnis.

Termin: Da wir im Sommer 2018 eine Visionssuche bzw. das Month Long Training an der School of Lost Borders in Kalifornien mit begleiten, bieten wir in diesem Jahr keine Visionssuche in Deutschland/Europa an.

Als etwas kürzere Alternative (7 Tage Zeremonie mit 2 Tage Solo/Schwellenzeit) bieten wir das 48 Stunden Solo an.

Dauer: 12 tage

Kosten: 800€ + Kosten für Unterkunft und Verpflegung

Leitung: Helen Beckers, Carine Roth und Daniel Bruns

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I want to grow up
to become who I truly am
with all my light and all my darkness
with all I give and  all I take
with all my dreams and all my fears

I want to grow
not just up but maybe even more down
Down into the roots
of my very own story

I want to grow
into the secret niches of my thoughts
into the dark cracks of my scars
into the hidden corners of my soul
into the sweet spots of my belly
into the broken parts of my heart
into the gold of my gift for the world

I want to grow
into who I truly am.