Ausrüstung Teil 2: Tipps zum Schlafsack-Kauf

Der Kauf eines neuen Schlafsacks ist nicht selten eine größere Investition. Nicht nur deswegen, sondern natürlich auch dem Komfort wegen, ist es wichtig, sich ein wenig auszukennen bevor man auf Schlafsack-suche geht um dabei auf ein paar Sachen zu achten.

In diesem Blogpost erzähle ich euch, was es beim Kauf eines Schlafsacks so alles zu beachten gibt.

Isolationsmaterial:

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Schlafsäcken, sie unterscheiden sich in dem Isolationsmaterial, mit dem sie befüllt sind:

1. Kunstfaserschlafsäcke: Diese Schlafsäcke benutzen Kunstfasern (wie Primaloft) als Füllmaterial.

  • Vorteile: Günstigerer Preis, wärmt auch wenn nass geworden, weniger empfindlich
  • Nachteile: Schwerer in Gewicht, weniger komprimierbar, verliert über die Jahre an Wärmeleistung

2. Daunenschlafsäcke: Diese Schlafsäcke benutzen Daunen (und die günstigeren Varianten auch Federn) als Füllmaterial.

  • Vorteile: Leicht im Gewicht, gut komprimierbar und somit klein verpackbar, angenehmes Schlafklima, besseres Wärme-Gewicht-Verhältnis, halten länger und sind wieder befüllbar
  • Nachteile: Teuer, verlieren an Wärmeleistung wenn sie Nass sind, recht empfindlich, für „strikte Veganer“ nicht geeignet

Wie sich nun entscheiden?
Ob man einen Kunstfaser- oder einen Daunenschlafsack kauft, hängt vor allem davon ab, in welchen Umständen oder unter welchen Bedingungen man den Schlafsack hauptsächlich nutzen wird. (Zusätzlich haben viele Outdoorsportler eine gewisse persönliche Vorliebe für das eine oder das andere Material.)

  • Möchte man vor allem mit leichtem Gepäck unterwegs sein; hat man ein wasserdichtes Zelt oder Tarp dabei; will man, dass der Schlafsack nicht viel Platz im Gepäck einnimmt… dann dürfte ein Daunenschlafsack die richtige Wahl sein. Beim Kauf eines Daunenschlafsacks können wir empfehlen, nicht das Billigste vom Billigsten zu kaufen. Eine Garantie gibt es nie, aber es gibt Firmen/Marken (wie z.B. Mountain Equipment), die darauf achten, Daunen aus Totrupf (und nicht aus der grausamen Lebendrupf) zu verwenden.
  • Wenn einem das Gewicht und das Packmaß egal sind (weil man zum Beispiel mit dem Auto Zelten geht, und keine große Wanderstrecken zurücklegen muss), und man auch mal ohne Wetterschutz auf dem Waldboden übernachten möchte, dann wäre ein Kunstfaserschlafsack eine gute Wahl.

 

Insgesamt soll man, egal ob man nun einen Daunen- oder einen Kunstfaserschlafsack kaufen möchte, zusätzlich auf noch ein paar Punkte achtgeben:

Der Temperaturbereich:

Wenn du einen Schlafsack kaufen willst, dann wirst du merken, dass es für einen Schlafsack immer eine Temperatur-angabe gibt. Diese Temperatur-angabe ist in Europa genormt, dennoch können wir aus unserer Erfahrung sagen, dass man oft noch 5°C dazu rechnen sollte.

Meist gibt es drei Temperatur-angaben bei einem Schlafsack:

  1. Der Komfortbereich: Dies ist die Aussentemperatur, bei der eine Frau (25 Jahre, 60 Kg, 1m60) in diesem Schlafsack gemütlich schlafen kann. Wenn da also steht: „Komfort: +3°C“, dann soll das heißen, dass es Frau bei 3°C in diesem Schlafsack schön warm hat. ALLERDINGS ist jede Frau (sowie jeder Mann) unterschiedlich. Der eine Mensch fröstelt schneller als der Andere. Und so ist diese Temperaturangabe auch nur als Richtwert zu verstehen. Für mich (Helen… Mir ist grundsätzlich fast immer kalt) ist es so, dass ich in diesem Schlafsack bei +3°C frieren würde (sogar mit langen Fleece Klamotten). Ich rechne immer noch 5°C dazu. Der Schlafsack würde für mich also nur bis +8°C warm genug sein.
  2. Der untere Grenzbereich (Limit): Dies ist die Aussentemperatur, bei der ein Mann (25 Jahre, 70 Kg, 1m70) in diesem Schlafsack gemütlich schlafen kann. Wenn da also steht: „Limit: 0°C“, dann soll das heißen, dass der „Durchschnittsmann“ (gibt es nicht, ich weiss) bei 0°C in diesem Schlafsack gemütlich schlafen kann.  Auch hier das gleiche Spiel: Verstehe die Temperaturangabe als einen Richtwert. Wenn „Mann“ weiß, dass ihm nachts schnell kalt wird, dann braucht er vielleicht einen dickeren Schlafsack (also zum Beispiel Limit -5°C) um beim Gefrierpunkt im Schlafsack warm zu bleiben.
  3. Der Extrembereich: Eigentlich braucht kein Mensch diese Temperaturangabe, aber der Vollständigkeit halber, erwähne ich sie. Diese Temperaturangabe ist ein rein rechnerischer oder theoretischer Wert. Wenn da steht „Extrem: -22°C“, dann könnte man davon ausgehen, dass man eine Nacht bei -22°C in diesem Schlafsack gerade so überleben kann (wenn nicht gerade ein kalter Ostwind aufkommt und durch den Windchill die gefühlte Temperatur bei -30°C liegt), ohne große bleibende Schäden davon zu tragen. Ich würde jedenfalls bei -22°C niemals zu einem Schlafsack greifen wo „Extrem -22°C“ drauf steht, sondern wo „Komfort -27°C“ drauf steht, ist klar ;cP

Zusätzlich zu den persönlichen Unterschieden (schnell frieren, Anteil an Körperfett, Hunger, Grad der Erschöpfung,…) , können auch die Wetterbedingungen (Wind, Luftfeuchtigkeit,…)  die Angabe des Komfort/Limit-bereichs beeinflussen.

Die Schlafsackform:

Bei Schlafsäcken gibt es unterschiedliche Längen, Größen, Breiten und Formen.Grundsätzlich würde ich sagen: Guck, dass der Schlafsack dir passt. Wenn du 1m70 groß bist, kauf dann keinen Schlafsack mit der Länge 1m60. Da wäre 1m80 angebrachter. So ca. 10 bis 15cm kann man zur eigenen Körperlänge dazu rechnen, das wäre die richtige Länge für dein Schlafsack. Alles was größer ist, sorgt nur dafür, dass du mehr Korperwärme und somit Energie aufwenden musst, um deinen Schlafsack warm zu kriegen.
Dies soll man auch bei der Auswahl der Breite beachten. Je breiter der Schlafsack ist, umso mehr Luft musst du mit deinem Körper erwärmen. Wenn du allerdings von dir selbst weisst, dass du Platz brauchst um hin- und her zu wälzen (vermutlich fällst du dann zwar von deiner Isomatte runter, aber man kann ja bekanntlich nicht alles haben), und um bequem schlafen zu können, dann kauf den Schlafsack auch nicht zu schmal. Du verstehst schon, worauf ich hinaus will… Der Schlafsack soll dir sowohl was Länge, Breite, als auch was Schlafverhalten angeht, passen. Ich kann da nur folgendes empfehlen: Probeliegen! Und Probewälzen ;c) Wenn dich eine Mumienform (bei dieser Form wird der Schlafsack an den Füßen schmaler… dies ist heutzutage eigentlich die Standardform) unten an den Füßen nervt, weil du nicht genug Platz hast, dann kannst du auch einen rechteckigen Schlafsack kaufen (aber nicht vergessen: mehr Platz, mehr Luft, mehr Energieaufwand).

Die meisten Schlafsäcke haben heutzutage eine Kapuze, mit oder ohne Kragen. Dies macht schon Sinn, denn viel Wärme geht über den Kopf verloren (das sagt man immer so, ob es auch wirklich wirklich stimmt, habe ich noch nie ernsthaft recherchiert. Ich werde mich schlau machen ;-). Der Kragen sorgt dafür, dass der Übergang Kopf – Schulter, schön von der Aussenluft abgeschlossen wird, und somit keine kalte Luft ins Innere des Schlafsacks strömt. Wenn man von sich selbst weiss, dass man Kapuzen hasst, oder dass man Platzangst drin bekommt wenn man sie ganz zumacht, dann gibt es auch Schlafsäcke ohne Kapuze. Allerdings macht ein Kragen dann immer noch Sinn. Ich selbst (und Daniel ebenfalls) benutze einen Schlafsack ohne Kapuze, bei dem ich aber den Kragen eng um meinem Hals zumachen kann. Warum ich mich für so einen Schlafsack entschieden habe? Ich habe festgestellt, dass ich eine Kapuze eigentlich nie so einsetze wie man sie einsetzen soll (also bei Kälte ganz zumachen, abgesehen von einem kleinen Guck- und Atemloch), dass ich immer hören will, was draußen abgeht, und vor allem (ja ich bin ein Leichtwander freak) weil ich Gewicht sparen will. Stattdessen lasse ich beim schlafen einfach meine Mutze auf. Für die meisten Menschen wäre, so vermute ich doch, einen Schlafsack mit Kapuze und Kragen allerdings die bessere Wahl.

Zusätzlich kann man übrigens noch entscheiden, ob man den Reißverschluss links oder rechts haben möchte. Normalerweise sagt man: Rechtshänder wählen am besten den Reißverschluss links, Linkshänder nehmen am besten den Reißverschluss rechts. Das kommt daher, dass es einfacher ist, mit der dominanten Hand den Reißverschluss auf der anderen Seite zu öffnen. Aber auch hier: Lieg mal Probe, und entscheide selbst was für dich am bequemsten ist. Wenn du allerdings zusammen mit deinem/r Partner/in einen Schlafsack kaufst und beide Schlafsäcke „kuppeln“ willst, dann ist es wichtig, dass der Eine, den Reißverschluss links hat und der Andere rechts.

Vollständigkeitshalber möchte ich hier auch noch den Quilt erwähnen. Ein Quilt ist nichts anderes wie eine Daune- oder Kunstfaserdecke, also meistens ohne Reisverschluss. Da der Quilt allerdings eher ein Produkt für Leichtwanderer ist und ich Otto-Normal-Verbraucher eher zu einem Schlafsack raten würde, gehe ich hier nicht ausführlich darauf ein. Wer mag, kann sich im Internet ja weiter informieren.

Also noch mal in Kurz: Beim Schlafsackkauf:

  1. Kunstfaser oder Daune?
  2. Temperaturbereich auswählen
  3. Länge und Form auswählen

Done.

Ach so, doch noch nicht „done“. Natürlich kann man auch mit seinen Schlafklamotten noch einiges am Temperaturbereich ändern. Es gibt zum Beispiel Fleecehosen, die wunderbar warm sind, oder man zieht zusätzlich seine Daunenjacke zum schlafen an. Für die Füße gibt es warme Socken oder sogar Daunen „booties“, die extra für Menschen mit kalten Füßen (wie mich) gedacht sind. Und es gibt sogar noch „Inlets“ für den Schlafsack die extra Wärme geben. Der Markt scheint immer größer zu werden. Gut ist, wenn man einen Survivalkurs (ja ich wollte nun doch ein wenig Eigenwerbung betreiben *Scherz) besucht, dann braucht man irgendwann den ganzen Schnickschnack nicht mehr haha ;c)

Falls du auch ein neues Zelt oder eine neue Isomatte kaufen möchtest, dann gibt es unter folgenden Links:

Oder vielleicht möchtest du lieber deine alte Outdoor Ausrüstung pimpen?